Viele Unternehmen gehen davon aus, dass ein Jubiläum automatisch pressewürdig ist. Die Realität ist nüchterner. Ein runder Geburtstag allein reicht selten aus, um journalistisches Interesse zu wecken. Damit aus einem Unternehmensjubiläum eine gute Pressegeschichte wird, braucht es mehr als einen Stichtag. Es braucht Relevanz, Perspektive und eine Geschichte, die über das reine „Wir feiern“ hinausgeht. Genau das ist die zentrale Aufgabe guter Jubiläums-PR: den Anlass so zu übersetzen, dass er auch für Dritte interessant wird. Journalistinnen und Journalisten fragen nicht zuerst, wie alt Ihr Unternehmen ist. Sie fragen: Warum ist das für unser Publikum relevant? Welche Entwicklung steckt dahinter? Welche Bedeutung hat das Unternehmen für die Region, die Branche, Arbeitsplätze, Innovation, Kultur oder gesellschaftliches Engagement?
Der erste Schritt besteht deshalb darin, das Jubiläum journalistisch zu denken. Welche Aspekte Ihrer Geschichte haben Nachrichtenwert? Vielleicht ist Ihr Unternehmen besonders stark regional verwurzelt. Vielleicht haben Sie sich über Jahrzehnte hinweg transformiert. Vielleicht gibt es eine spannende Gründungsgeschichte, eine Familiennachfolge, einen markanten Wandel, technologische Innovationen, soziales Engagement oder besondere Meilensteine. Genau dort beginnt Relevanz.
WICHTIG IST, DASS PRESSEARBEIT NICHT MIT WERBESPRACHE VERWECHSELT WIRD.
Eine PR-Geschichte über ein Jubiläum muss nicht neutral im Sinne von emotionslos sein, aber sie darf auch keine verkappte Imagebroschüre sein. Gute Jubiläums-PR erzählt glaubwürdig, präzise und anschlussfähig. Sie zeigt Substanz statt Selbstbeweihräucherung.
Ein häufiger Fehler besteht darin, alle Aspekte des Jubiläums in eine einzige Pressemitteilung zu pressen. Das führt oft zu langen, unkonkreten Texten mit wenig journalistischem Fokus. Besser ist es, verschiedene Geschichten aus dem Jubiläum abzuleiten. Eine kann die Unternehmensgeschichte in den Mittelpunkt stellen. Eine andere den wirtschaftlichen Beitrag. Eine dritte vielleicht den Blick in die Zukunft, ein soziales Engagement oder besondere Menschen im Unternehmen. So wird aus einem Anlass eine PR-Strecke statt eines einmaligen Signals.
Besonders wirksam ist Pressearbeit dann, wenn sie Menschen sichtbar macht. Gründerfamilien, langjährige Mitarbeitende, Auszubildende, Nachfolgeregelungen, prägende Persönlichkeiten oder besondere Kundengeschichten verleihen einem Jubiläum ein Gesicht. Medien berichten häufiger über Menschen und Entwicklungen als über abstrakte Unternehmensdaten. Genau deshalb lohnt sich die Suche nach glaubwürdigen Protagonistinnen und Protagonisten.
AUCH DER REGIONALE KONTEXT SPIELT OFT EINE ENTSCHEIDENDE ROLLE.
Gerade lokale und regionale Medien interessieren sich stark dafür, welche Rolle ein Unternehmen für einen Standort, eine Region oder eine Gemeinschaft spielt. Arbeitsplätze, Ausbildungsleistung, wirtschaftliche Kontinuität, Standorttreue oder gesellschaftliche Beiträge sind hier oft relevanter als das Jubiläum selbst. Der Anlass dient dann als Aufhänger für eine größere Geschichte.
EIN WEITERER WICHTIGER PUNKT IST DAS TIMING.
Pressearbeit sollte nicht erst kurz vor dem Event beginnen. Wer Redaktionen erst wenige Tage vor einer Jubiläumsfeier kontaktiert, verschenkt Chancen. Gute Jubiläums-PR denkt in Vorlauf, Aufbau und Nachbereitung. Vorab kann der Anlass angekündigt oder inhaltlich eingeordnet werden. Während des Jubiläums kann es Interviews, Besuche oder Bildtermine geben. Danach lassen sich Inhalte, Zitate oder Ergebnisse weiter verlängern.
AUCH BILDMATERIAL IST FÜR JUBILÄUMS-PR ZENTRAL.
Historische Fotos, Archivmaterial, aktuelle Porträts, Produktionsbilder, Standortaufnahmen oder starke Eventfotos helfen enorm dabei, eine Geschichte greifbar zu machen. Wer Medien gut bedienen will, sollte visuelle Inhalte früh mitdenken – idealerweise kuratiert, hochwertig und thematisch passend.
Natürlich muss auch die Medienansprache differenziert erfolgen. Regionale Medien brauchen andere Aufhänger als Fachmedien, Wirtschaftsmedien oder lokale Stadtmagazine. Eine gute Pressearbeit zum Jubiläum funktioniert deshalb nicht über einen Einheitsversand, sondern über gezielte Perspektiven. Das erhöht nicht nur die Relevanz, sondern auch die Glaubwürdigkeit.
Nicht zuletzt sollte Jubiläums-PR immer zur Marken- und Kommunikationsstrategie passen. Pressearbeit ist kein Zusatzmodul, sondern Teil des Gesamtbildes. Wenn Leitidee, Jubiläumsbranding, interne Kommunikation und Medienarbeit aufeinander einzahlen, entsteht ein starker Gesamteindruck. Wenn sie dagegen unverbunden nebeneinander laufen, verliert der Anlass an Kraft.
Ein Unternehmensjubiläum wird also nicht automatisch zur guten Pressegeschichte. Aber es kann ein sehr starker journalistischer Aufhänger sein – wenn es gelingt, Relevanz sichtbar zu machen, Menschen einzubinden und aus dem Anlass mehr abzuleiten als die bloße Zahl. Genau dann wird aus dem Jubiläum nicht nur ein Anlass für Kommunikation, sondern eine Geschichte, die Medien tatsächlich erzählen wollen.
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